Therapeutisches Schreiben zwischen Gedanken, Gefühlen und Widersprüchen. Unfertig und dennoch ganz.

Ich betrachte mich im Spiegel und versuche, mich selbst zu erkennen. Ich liefere mir ein Blickduell mit meinem Spiegelbild.

Wie soll ich auf diese Weise meine Zukunft finden?

Ich sehe die Narbe meiner Mutter. Es stört mich ungemein, dass ich der Familie meines Vaters so ähnlich sehe. Und damit auch meiner Oma.

Meine Brille rutscht mir die Nase hinunter. Während ich sie zurechtrücke, erinnere ich mich an Paulas letzten Besuch bei mir im Krankenhaus.

Ihre Hände sahen alt aus.

Und genau mit diesem Bild vor Augen gelingt es mir, Marlene aus der Zukunft zu erreichen.

Ob fünf oder zehn Jahre vergangen sind, kann ich nicht sagen.

Mir fällt auf, dass ihre Angst verschwunden ist. Vielleicht kommt sie gelegentlich noch zu Besuch, aber sie ist keine ständige Begleiterin mehr.

Ich grinse sie an. Ein Funke erreicht ihre Augen.

Die Traurigkeit scheint nicht vollständig verschwunden zu sein, doch inzwischen geht sie Hand in Hand mit Marlenes Lebenswillen.

Ich betrachte sie noch einmal, um ganz sicherzugehen.

Ja, sie lebt.

Sie hat ihren Frieden gefunden.

Wenn Marlene aus der Zukunft mit mir sprechen könnte, würde sie mir vermutlich raten, nicht aufzugeben und weiter nach meinem Lebenswillen zu suchen.

Ich schaue erneut in den Spiegel.

Vielleicht ist es gar nicht das Schlimmste, meiner Familie ähnlich zu sehen.

Vielleicht können daraus auch Stärke und Entschlossenheit entstehen.

Aber ich muss lernen, diese Eigenschaften zu nutzen.

Tag für Tag.

Bis Marlene aus der Zukunft meine Gegenwart ist.

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von unfertigganzmarlene

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen